Ausschlussdiät beim Hund

Ausschlussdiät beim Hund – so führen Sie sie richtig durch

 

Ihr Hund kratzt sich, seine Haut zeigt auffällige Veränderungen und Sie fragen sich, was dahintersteckt? Juckreiz kann ein Anzeichen dafür sein, dass Ihr Liebling unter einer Futtermittelallergie leidet. Eine Ausschlussdiät unter professioneller Anleitung Ihres Tierarztes hilft Ihnen dabei herauszufinden, welche Futtermittelbestandteile Ihr Vierbeiner nicht verträgt.

Unsere animonda Fachtierärztin für Tierernährung und Diätetik, Dr. vet med. Simone Radicke, verrät, worauf Sie beim Durchführen einer Eliminationsdiät bei Ihrem Hund achten sollten.

 

Im animonda Interview erfahren Sie:

  1. wie sich eine Futtermittelallergie beim Hund äußert

  2. wie Futtermittelunverträglichkeiten beim Hund entstehen

  3. ob ein Allergietest sinnvoll ist

  4. wie Sie eine Ausschlussdiät bei Ihrem Hund durchführen

  5. welches Hundefutter sich für die Eliminationsdiät eignet

  6. für welchen Zeitraum eine Ausschlussdiät gehalten werden sollte

  7. wann es Ihrem Hund nach der Futtermittelumstellung besser gehen sollte

  8. wie ein Provokationstest funktioniert

 

 

Futtermittelallergie beim Hund: Symptome & Auslöser

 

animonda: Wie äußert sich eine Futtermittelallergie beim Hund?

Dr. vet med. Simone Radicke: Vor allem durch Juckreiz. Dieser tritt zu allen Jahreszeiten auf und ist nicht auf das Frühjahr oder den Sommer begrenzt. Neben dem Juckreiz kann auch Durchfall auftreten. Hat ein Hund Hautveränderungen, die durch Kratzen blutig und krustig werden, sollten Sie unbedingt Ihren Tierarzt aufsuchen. Er kann als einziger die Diagnose Futtermittelallergie stellen, denn es muss unter anderem der Befall mit Flöhen oder Milben ausgeschlossen werden.

Denn: Juckreiz kann viele Ursachen haben. Häufig sind beim Hund auch nur die Ohren betroffen, eine Ohrenentzündung kann also auch ein Hinweis auf eine Futtermittelunverträglichkeit sein.  

 

animonda: Wie entstehen Futtermittelunverträglichkeiten bei Hunden?

Dr. vet med. Simone Radicke: Die Futtermittelallergie ist eine Überreaktion des Immunsystems auf Bestandteile im Futter. Das können tierische und pflanzliche Eiweiße sein. Vor allem Rohstoffe vom Rind und Milchprodukte sind Proteine, die häufig eine Futtermittelallergie bei Hunden auslösen. Grundsätzlich kann eine Futtermittelallergie in jeder Lebensphase beim Hund auftreten. Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass 48 Prozent der Hunde mit einer Futtermittelallergie sogar jünger als ein Jahr waren.

 

animonda: Sollte ich als Hundebesitzer einen Allergietest beim Tierarzt durchführen lassen?

Dr. vet med. Simone Radicke: Nein. Ein Allergietest ist bei Futtermittelunverträglichkeiten nicht zuverlässig. Die Diagnose kann in diesem Fall ausschließlich durch eine Ausschlussdiät erfolgen.

 

Das sollten Sie als Hundebesitzer wissen

animonda: Bei meinem Hund wird einer Futtermittelallergie vermutet. Erstellt mein Tierarzt einen Eliminationsdiät für meinen Hund– und wie würde diese aussehen?

Dr. vet med. Simone Radicke: Damit eine Ausschlussdiät erstellt werden kann, muss sich der Tierarzt ein Bild über die bisherige Fütterung verschaffen. Er muss immer die individuelle Situation des Hundes beachten: Was hat er in der Vergangenheit gefressen und was noch nicht? Nach dieser ausführlichen Bestandsaufnahme wird der Tierarzt eine Ration vorschlagen, die aus Komponenten besteht, die bisher nicht oder nur selten auf dem Speiseplan des Hundes gestanden haben - wie beispielsweise Rohstoffe vom Pferd.  

Diese Ausschlussdiät kann entweder selbst zubereitet werden oder man greift auf ein industriell gefertigtes Alleinfutter zurück.

 


animonda: Wie mache ich eine Ausschlussdiät mit meinem Hund und auf welche Alltagssituationen muss ich als Hundebesitzer besonders achten, um die Eliminationsdiät erfolgreich durchzuführen?

Dr. vet med. Simone Radicke: Eine Ausschlussdiät wird in der Regel über 8 bis 12 Wochen gefüttert. Wichtig ist, dass der Hund keine andere Nahrung, Snacks oder Zahnpflegeprodukte bekommt. Leider werden vor allem Snacks oder Kaustangen nicht bewusst als Nahrung wahrgenommen, weshalb der Tierarzt besonders auf diesen häufig gemachten Fehler hinweisen wird. Denn schon kleine Mengen anderer Futtermittel können dazu beitragen, dass sich der Hund erneut stark kratzt.

Sind mehrere Hunde im Haushalt sollten alle Tiere während der Ausschlussdiät getrennt gefüttert werden. Müssen andere Medikamente verabreicht werden, ist das unbedingt mit dem behandelnden Tierarzt zu besprechen. Er kann gezielte Tipps geben.

 


animonda: Empfehlen Sie ein Diättagebuch, um die Ergebnisse der Ausschlussdiät des Hundes festzuhalten?

Dr. vet med. Simone Radicke: Ja, ein Diättagebuch empfehle ich definitiv. Es hilft ungemein, um die Ausschlussdiät sicher durchzuführen und auch, um auf eventuelle Fragen des Tierarztes antworten zu können. Im Diättagebuch sollte alles festgehalten werden, was Ihr Hund angeboten bekommt und vom wem. Dazu gehören alle Familienmitglieder und auch Freunde aus dem Bekanntenkreis.

Das Diättagebuch sollte auch erfassen, ob Ihr Hund ohne Leine gelaufen ist. Und falls das der Fall ist, ob die Möglichkeit einer Nahrungsaufnahme im Freien bestand.

 

ELIMINATIONSDIÄT: FÜTTERUNGSTIPPS FÜR IHREN HUND

animonda: Welches Hundefutter eignet sich für eine Ausschlussdiät?

Dr. vet med. Simone Radicke: Nass- und Trockenfuttermittel mit einer ausgewählten tierischen Eiweiß- und Kohlenhydratquelle, wie zum Beispiel Integra Protect Sensitive , eignen sich perfekt für die Ausschlussdiät. Da das Futter ausschließlich eine tierische Eiweißquelle enthält, können allergische Reaktionen auf das jeweilige Protein gut identifiziert werden. Mögliche Eiweiß-Kohlenhydrat-Kombinationen sind beispielsweise Pferd mit Amaranth oder Huhn mit Pastinake.

 

animonda: Selbst kochen oder auf gekauftes Hundefutter für die Ausschlussdiät zurückgreifen – was empfehlen Sie an der Stelle?

Dr. vet med. Simone Radicke: Hier kann ich keine pauschale Empfehlung geben, da immer die individuellen Anforderungen und die bisherige Fütterung des Hundes betrachtet müssen. Soweit es geht, würde ich immer auf ein Nass- oder Trockenfutter zurückzugreifen, da es im Alltag einfacher zu handhaben ist.

 

animonda: Wie lange füttere ich meinen Hund mit der Eliminationsdiät?

Dr. vet med. Simone Radicke: Die Ausschlussdiät muss mindestens 8 Wochen gefüttert werden. Manchmal kann es jedoch auch bis zu 12 Wochen dauern. Sollte sich nach 12 Wochen der Juckreiz oder Durchfall nicht gebessert haben, muss die Ausschlussdiät erneut mit anderen tierischen Zutaten begonnen werden.

 

animonda: Ist eine erfolgreiche Ausschlussdiät mit der Diagnose Futtermittelallergie gleichzusetzen?

Dr. vet med. Simone Radicke: Leider noch nicht, denn eine sichere Diagnose kann nur durch einen Provokationstest gestellt werden.

 

animonda: Ich habe meinen Hund über den empfohlenen Zeitraum hinweg strikt nach der Ausschlussdiät gefüttert. Wie wird der Provokationstest richtig durchgeführt, um endgültig Klarheit über die Futtermittelallergie meines Hundes zu bekommen?

Dr. vet med. Simone Radicke: Um die Provokation beim Hund auslösen, werden gezielt einzelne Zutaten, von denen man ausgeht, dass sie die Allergie hervorgerufen haben, zur Eliminationskost hinzugefügt. Als Beispiel: Wurde während der Ausschlussdiät Huhn in Kombination mit Reis gefüttert, kann ich nun Zutaten vom Rind ergänzen, wenn ich davon ausgehe, dass die Allergie durch Rind hervorgerufen wurde. Daher füttere ich nun gezielt über drei Tage Zutaten vom Rind zusätzlich. Reagiert der Hund darauf, ist Rind ein Auslöser der Futtermittelallergie. Reagiert er nicht mit Durchfall oder Juckreiz, ist mein Hund nicht auf Rind allergisch.

 

animonda: Was muss ich zukünftig beachten, wenn der Provokationstest zeigt, dass mein Hund an einer Futtermittelallergie für bestimmte Eiweiße leidet?

Dr. vet med. Simone Radicke: Wenn die Ausschlussdiät erfolgreich war und das allergieauslösende Eiweiß ermittelt wurde, kann ich die Eliminationskost auch weiter anbieten. Sollte es sich um eine kommerzielle Eliminationsdiät (Nass- oder Trockenfutter) handeln, kann diese weiter ohne jegliche Probleme gefüttert werden, da dieses Futter alle lebenswichtigen Nährstoffe enthält, die der Hund täglich braucht. Es könnte für den Hundehalter umständlicher werden, wenn der Hund eine selbstzubereitete Ausschlussdiät mit sehr seltenen Eiweißen erhalten hat - beispielsweise Ziege oder Antilope - da wahrscheinlich bei dieser Zubereitung bisher auf den Zusatz von lebenswichtigen Mineralstoffen und Vitaminen verzichtet wurde.

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